Biographie

Vom Donnersberg nach Zacuapam

Das ’Alte Forsthaus' des Hahnweiler Hofs am Donnersberg (Pfalz) - das Geburtshaus der Gebrüder Purpus
Das ’Alte Forsthaus' des Hahnweiler Hofs am Donnersberg (Pfalz) – das Geburtshaus der Gebrüder Purpus

Biographischer Abriss

Am 26.2.1851 wurde Carl Albert Purpus als Sohn eines Försters in dem kleinen Weiler Hahnweiler Hof am Fuß des Donnersbergs in der Pfalz geboren. An gleicher Stelle erblickte am 4.3.1860 sein jüngerer Bruder, der spätere Inspektor des Botanischen Gartens Darmstadt, Joseph Anton Purpus das Licht der Welt.
Nach dem Studium der Pharmazie in Gießen um 1876/77 und einer Zeit als Pflanzen-sammler in den Alpen reiste Carl Albert Purpus 1887 nach Nordamerika, um im Auftrag einer Baumschule Pflanzen zu sammeln. Wenig später machte er sich selbstständig und arbeitete vor allem in den Gebirgen des westlichen Kanada und der sich südlich anschließenden Gebiete der USA. In deren südwestlichen Regionen verlegte er wenige Jahre später seine Aktivitäten ganz: Arbeitsgebiete waren Kalifornien sowie die Staaten Nevada, Arizona, Utah und Colorado. Waren es anfangs vor allem Gehölze und alpine Stauden der Gebirge, kamen später besonders Kakteen dazu. Dabei legte er große Strecken zurück ­ einmal 300 Meilen zu Fuß und in einem anderen Jahr 2000 Meilen mit Pferd und Wagen.

Carl Albert Purpus unter Mammutbäumen (um 1895)
Carl Albert Purpus unter Mammutbäumen (um 1895)

Im Winter 1897/98 besuchte er mit der Niederkalifornischen Halbinsel zum ersten Mal mexikanisches Staatsgebiet. Auf Baja California sammelte er intensiv und in großen Quantitäten Kakteen und andere Sukkulente, so den ’Cirio' (Idria columnaris), die merkwürdigste Pflanze der ’Baja', und eine halbsukkulente Feigenart (Ficus palmeri) ­ beide Pflanzen sind heute noch im Botanischen Garten Darmstadt in Kultur. Dahin war nämlich 1888 sein Bruder Joseph Anton als Garteninspektor berufen worden. Die Sammeltätigkeit Carl Alberts zugunsten des Botanischen Gartens führte zu einer enormen Erweiterung der Darmstädter Sammlungen und begründete den Weltruhm, den der Garten in dieser Zeit genoss.
Nach der Jahrhundertwende verlegte er seine Aktivitäten immer mehr nach Mexiko, wo er sich 1905 in einem kleinen Haus auf der Hacienda ’El Mirador' bei Zacuapam im Staat Veracruz niederließ. Als – allerdings unbezahlter – botanical collector' der Universität von Berkeley sammelte er für wissenschaftliche Institutionen Herbarmaterial und für die verschiedensten Abnehmer lebende Pflanzen, die u. a. über den Bruder in Deutschland verteilt wurden.

In seinem Garten von ’El Mirador' (um 1930?)
In seinem Garten von ’El Mirador' (um 1930?)

Intensive wissenschaftliche und fast freundschaftliche Kontakte hatten sich ab 1895 zu dem Botanikerehepaar Mary Katharine und Townshend Stith Brandegee entwickelt, die in Berkeley arbeiteten. Für sie sammelte er viele tausend Herbarbelege, die noch heute im dortigen Jepson-Herbarium aufbewahrt werden. Von hier aus erhielten auch die anderen Abnehmer wie das British Museum of Natural History, die Herbarien in Berlin, München, Paris und Edinburgh sowie andere Institutionen das Bestellte. So besitzt allein das Staatsherbarium München fast 3500 von ihm gesammelte Belege. Sowohl die beiden Brandegees, wie auch seinen Bruder, der 1932 starb, hat er überlebt. Bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1941 sammelte der Greis ­ den letzten Beleg, den ich ausfindig machen konnte, hatte er im 88. Lebensjahr angelegt ­ in der Umgebung seines Wohnortes.
Kurz vor seinem 90. Geburtstag starb er am 17. Januar 1941 auf ’El Mirador' ­ unter den schneebedeckten mexikanischen Vulkanen und weit über dem in der Ferne glitzernden karibischen Ozean.