Der Pflanzenjäger

Carl Albert Purpus, Pflanzensammler oder Pflanzenjäger

Abies lasiocarpa var. arizonica, die Korktanne (aus ’Gartenwelt' 1900/1901)
Abies lasiocarpa var. arizonica, die Korktanne (aus ’Gartenwelt' 1900/1901)

Seit Jahrhunderten gibt es den Beruf des Pflanzensammlers oder – wie er im englischen Sprachraum genannt wird – des ’plant hunter' (Pflanzenjäger). Darunter verbirgt sich kein einheitliches Berufsbild – vom Forscher, der nebenbei auch die eine oder andere lebende Pflanze mitbrachte, bis zum im Auftrag von Gartenbaufirmen ausgesandten Profi, der ein Gebiet, eine spezielle Gruppe oder gar nur eine einzige Art zu besammeln hatte. Dies bedeutete nicht selten ein totales ’Abräumen' des Standorts. Und hier zeigt sich das Problematische des Handelns dieser Personen, die sehr wohl mit Jägern, die ihrer ’Beute' mit Hartnäckigkeit und List nachstellen und diese dann ’zur Strecke bringen', verglichen werden können. So belegt die Geschichte des Pflanzensammelns durchaus regelrechte ’Kesseltreiben' nach bestimmten Arten, an denen sich durchaus auch Botaniker beteiligten.
Insgesamt verdanken wir den Pflanzenjägern einen großen Schatz an fremdländischen Pflanzen, die wir einerseits zur Nahrungsgewinnung, zur Arzneiherstellung, zur Holz- oder Fasergewinnung nutzen, die aber andererseits unsere Gärten, Gewächshäuser und Zimmer schmücken. Viele vertraute Elemente unserer Gärten gehen auf diese Sammler zurück, wie der Zylinderputzer (Callistemon citrinus), die Strelitzie (Strelitzia regina), die Belladonna-Lilie (Amaryllis belladonna), die Douglasie (Pseudotsuga menziesii), zahlreiche Rhododendren, der Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum), der Taubenbaum (Davidia involucrata), die Hexenhasel (Hamamelis japonica) und das Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha).

Penstemon purpusii, eine Bartfaden-Art. NW-Kaliforniens (Photo: Barbara Ertter)
Penstemon purpusii, eine Bartfaden-Art. NW-Kaliforniens (Photo: Barbara Ertter)

Die Liste von Pflanzen, die Carl Albert Purpus einführte, ist lang. Genannt werden u.a. die Kork-Tanne (Abies lasiocarpa var. arizonica), Ceanothus fendleri, Paxistima myrsinites, verschiedene Arten der Gattungen Bartfaden (Penstemon), Kalmia, Ilex und Cornus. Hervorragende Verdienste hatte er bei der Einfuhr besonders winterharter Herkünfte verschiedener Bäume und Sträucher, von den Kakteen gar nicht zu reden. Immer wieder wird aus seinen Aufzeichnungen deutlich, dass er an der klimatischen Verbreitungsgrenze ihm interessant erscheinender Arten sammelte, um für das mitteleuropäische Klima geeignete Pflanzen zur Verfügung zu haben. Jedenfalls erfreute er sich damals einer großer Wertschätzung.
Es ist ohne jeden Zweifel gut, dass die Zeiten der in großen Quantitäten sammelnden Pflanzenjäger und Botaniker vorbei sind. Viele Gesetze und Vorschriften wie Naturschutzbestimmungen, das Washingtoner Artenschutzübereinkommen zum Handel mit bedrohten Arten (CITES) sowie die Biodiversitätskonvention sorgen einerseits für den dringend notwendigen Schutz der natürlichen Lebensräume sowie einzelner Arten, andererseits wahren sie die Interessen der Heimatländer an der Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen. So falsch es ist, die alten Sammler aus der heutigen Sicht zu verurteilen, so wenig darf in unseren Tagen des hemmungslosen, weltweiten Ausverkaufs der Natur ihr Verhalten als Maßstab des 21. Jahrhunderts gesetzt werden. Betrachten wir also die Pflanzenjäger nicht als unser Vorbild, sondern einerseits als Kinder ihrer Zeit, die in einer ihnen damals unerschöpflich scheinenden Natur unter manchmal härtesten Bedingungen und wirtschaftlichen Zwängen sammelten und freuen uns andererseits mit Respekt vor ihnen an ihren Errungenschaften, ohne die unsere Kenntnisse fremder Floren nur sehr dürftig wären und die unseren Gärten immer wieder Glanz verleihen.