Der Sammler

Purpus der Sammler

Brahea brandegeei ist die einzige von Carl Albert Purpus (als Erythea brandegeei) beschriebene Pflanzenart. Die Palme ist ein Endemit von Niederkalifornien (Baja California).
Brahea brandegeei ist die einzige von Carl Albert Purpus (als Erythea brandegeei) beschriebene Pflanzenart. Die Palme ist ein Endemit von Niederkalifornien (Baja California).

Nachdem Carl Albert Purpus anfangs im Auftrag einer Baumschule gesammelt hatte, arbeitete er bald als selbstständiger Sammler auf eigene Rechnung. Er erfüllte Aufträge der verschiedensten Institutionen, Firmen, Gesellschaften und von Privatleuten. Darunter waren so bekannte wie die ’Deutsche Dendrologische Gesellschaft', der noch heute bestehende ’Alpengarten Sündermann' in Lindau oder die berühmte Baumschule Späth in Berlin.
Oberste Maxime war in der Zeit seiner Tätigkeit in Kanada und den USA das Bestreben, in Deutschland winterharte Arten bzw. Herkünfte zu sammeln: nach einem ersten Besuch der Standorte im Sommer suchte Carl Albert die gleichen Lokalitäten im Herbst möglichst spät noch einmal auf, um – nicht selten im ersten Schnee – Früchte und Samen einzuheimsen. Sein Material war und ist heute noch hervorragend. Die Samenherkünfte waren immer genau dokumentiert und durch besondere Auswahl der Lokalitäten für die deutschen Verhältnisse besonders geeignet. Bei den Kakteen – Ausnahmen waren wohl Exemplare für Schauen – sammelte er immer Exemplare, die noch nicht zu alt und noch verpflanzbar waren.
Teilweise kultivierte er sie in seinem eigenen Garten vor und verschickte sie in bewurzeltem Zustand. Die Empfänger hoben die sorgfältige Auswahl, die hervorragende Verpackung und den umsichtigen Versand hervor. Die Herbarbelege waren stets reich bestückt mit allen wichtigen Teilen und Stadien der Entwicklung. Sie gelten in den Herbarien immer noch als besonders wichtige Stücke. Maximal sammelte er wohl gleichzeitig für zwölf verschiedene Herbarien, d.h. er legte zwölf identische Sätze seiner Aufsammlungen an. Er tat dies allerdings nicht um jeden Preis: bei besonderen Seltenheiten blieb es bei einem Beleg für Berkeley.

Das Staatsherbarium München besitzt 3149 von Carl Albert Purpus gesammelte Belege
Das Staatsherbarium München besitzt 3149 von Carl Albert Purpus gesammelte Belege

Dennoch – die wirtschaftliche Situation von Carl Albert Purpus war wahrscheinlich zeitlebens alles andere als befriedigend. So versuchte er, immer wieder neue Sammelgebiete zu besuchen, neue Gruppen zu besammeln (z.B. die Gebirgspflanzen der mexikanischen Vulkane) und den Abnehmerkreis zu erweitern. Gelegentlich hat er es offensichtlich sogar mit Aquarienfischen versucht. Manchmal ging es auch um schiere Mengen, die heute aus der Sicht des Naturschutzes abenteuerlich klingen: er berichtet einmal von einem Auftrag einer pharmazeutischen Firma, für die er einen kletternden Kaktus aus der Verwandtschaft der ’Königin der Nacht' (Gattung Selenicereus) sammeln musste: ’Ich bekam gut 90 kg in zwei Stunden zusammen und verdiente so 80 $!' Sicher ist, dass Carl Albert Purpus bei aller immer wieder deutlich werdenden Begeisterung für die Natur und die Pflanzenwelt doch manchmal unter den finanziellen Engpässen gelitten hat, zumal er augenscheinlich mit Geld nicht gut umgehen konnte. Ohne finanzielle Zwänge hat er sicher nicht noch als 87-jähriger gesammelt. Als Postscriptum eines Briefes hieß es einmal – und man meint, ein Aufstöhnen zu hören: ’Und ich sammele und sammele immer weiter!'

Vegetation an der Baumgrenze am Vulkan Popocatepetl, (Photo: Carl Albert Purpus; 1905)
Vegetation an der Baumgrenze am Vulkan Popocatepetl, (Photo: Carl Albert Purpus; 1905)