Carl Albert Purpus

Carl Albert Purpus

Als Sammler erfreute sich Carl Albert Purpus großer Wertschätzung (Photo ca. 1895)
Als Sammler erfreute sich Carl Albert Purpus großer Wertschätzung (Photo ca. 1895)

Carl Albert Purpus (1851-1941) war eine schillernde Persönlichkeit. Man könnte ihn mit verschiedenen Schlagworten charakterisieren, die da sind: leidenschaftlicher Sammler, Pharmazeut, Einsiedler, Abenteurer, Frauenfeind, politischer Reaktionär und Vegetarier.
Die wenigen überlieferten Photographien aus seinen Mannesjahren zeigen einen muskulösen, aber hageren, abgehärteten Mann mit einem mächtigen Schädel, der den zahlreichen Entbehrungen seiner Expeditionen gewachsen war. Nach den Angaben von Zeitgenossen war er etwa 1.63 m groß und ’kollosal ausdauernd und unermüdlich'. Tief verletzt war er deshalb von der Beschuldigung Mary Katharine Brandegees, die ihn 1915 als 'träge' bezeichnete.

Der Grund für den Rückgang seiner Sammeltätigkeit lag damals ausschließlich im mexikanischen Bürgerkrieg, der weitere Reisen und ungezwungenes Arbeiten im Feld einfach nicht zuließ. Die Härte gegen sich selbst, mit der er die Strapazen der langen Reisen ertrug, war seinen Begleitern zumindest unverständlich. Sein Bruder schrieb während einer gemeinsamen Sammelreise im Jahr 1909: ’Er denkt, alle Welt ist so anspruchslos und einfach wie er.' Townshend Stith Brandegee lud er zu sich nach ’El Mirador' ein: ’Ich wünsche, Sie könnten hierher kommen. Sie können einen Raum im Haus bekommen, auch ein Bett und vielleicht (!) eine Matratze.'

’Carl Albert Purpus, ein früherer Reisender der Firma Späth' - Photo aus dem ’Späth-Buch 1720 - 1920'
’Carl Albert Purpus, ein früherer Reisender der Firma Späth' – Photo aus dem ’Späth-Buch 1720 – 1920'

Er war Nichtraucher und verschmähte Alkohol; im Jahr 1905 gab er den Fleischgenuss auf. Mit Frauen wollte er, besonders in seinen späteren Jahren nichts zu tun haben ­ sogar die Waschfrau musste außerhalb seiner Wohnung arbeiten. Englisch sprach er gut, Spanisch unvollkommen und ähnlich verhielt es sich mit einigen Indianersprachen. Dafür konnte man sich mit ihm auf Lateinisch unterhalten!

Der Erzkonservative beobachtete alle politischen Veränderungen höchst kritisch bzw. verurteilte sie nicht selten völlig. Es war sicherlich nicht leicht, mit ihm auszukommen. Ein Neffe schrieb über den Umgang beider Brüder miteinander: ’Jeden Tag gingen Vater und Onkel in die Wildnis, um nach bis dahin unbekannten Pflanzen zu suchen und wenn sie nach Hause kamen, lagen sie sich schon in den Haaren.

Er muss ein besessener Sammler gewesen sein: so besaß er eine größere archäologische Sammlung, daneben häufte er auch zoologische Objekte an. Sein Haus beherbergte zeitweise bis zu 60 Katzen, die anfangs zum Schutz seiner Sammlungen vor Nagern gehalten wurden, später diese später sogar beschädigten. Ein archäologischer Gegenstand, über dessen Natur wir leider nicht genau informiert sind (’Schild des Moctezuma', rituelles Gerät, Mosaiken?) wurde außer Landes geschmuggelt und 1921 für angeblich 40.000 $ an ein Museum in New York verkauft.

Dennoch ­ seine finanzielle Situation war offensichtlich niemals so, dass ihm eine sorgenfreie Existenz möglich war. Er war sehr freigiebig ­ ein Gutteil des bei der Transaktion des ’Schildes' erlösten Geldes hat er zum Beispiel offensichtlich in Not geratenen Verwandten geschenkt ­ und wohl ohne rechten Überblick über Außenstände. Drei Jahre vor seinem Tod schrieb er: ’Glücklicherweise bezahlt mir ein Schuldner regelmäßig eine Summe, mit der ich bisher ausgekommen bin.'

Als ausgebildeter Apotheker behandelte er immer wieder unentgeltlich die Arbeiter der Hacienda und andere Hilfesuchende. Über die Pflanzen in seinem Garten, der ursprünglich einmal als Botanischer Garten angelegt werden sollte, wachte er streng. Ein Besucher: ’Er erlaubte stets, nur wenige Exemplare mitzunehmen, sonst wurde er sehr unangenehm und es war aus mit der Freundschaft!'

©S. Schneckenburger, Botanischer Garten der TUD, 16.2.2001;