Purpus-Arten in Darmstadt

Purpus-Pflanzen im Botanischen Garten der TU-Darmstadt

Akzessionsbuch des Botanischen Gartens von 1907
Akzessionsbuch des Botanischen Gartens von 1907

In der Zeit des guten Kontakts zwischen Carl Albert Purpus und seinem Bruder Joseph Anton, von 1888 bis 1925 bzw. 1928 Inspektor des Botanischen Gartens der TU Darmstadt, kamen Hunderte von Pflanzenarten in Form von Samen, Stecklingen oder auch als lebende Pflanzen in den Garten. Darunter waren auch zahlreiche Freilandpflanzen, u.a. mit der Korktanne Abies lasiocarpa var. arizonica die wichtigste Errungenschaft des Sammlers für den Gartenbau. Von den Freilandpflanzen lassen sich heute keine mehr direkt auf seine Einfuhren zurückführen. Leider sind auch die alten Korktannen schon lange verloren. Im Yuccahügel steht mit Cercocarpus montanus ein sehr altes Exemplar eines außerordentlich seltenen strauchigen Rosengewächses, dessen Heimat das westliche und südwestliche Nordamerika ist. Wahrscheinlich geht dieses auf Carl Albert Purpus zurück.

Idria columnaris wurde 1898 im Zentrum Niederkaliforniens (Baja California) gesammelt
Idria columnaris wurde 1898 im Zentrum Niederkaliforniens (Baja California) gesammelt

Besser ist die Dokumentation bei einigen Gruppen der Gewächshauspflanzen. Hier gibt es unter den Sukkulenten mindestens fünf Pflanzen, die vor etwa 100 Jahren gesammelt wurden. Besonders erwähnenswert sind zwei Pflanzen von der niederkalifornischen Halbinsel, die 1897/1898 bei Calmalli im Zentrum von Baja California gesammelt wurden. Es handelt sich um eine Idria columnaris und einen Ficus palmeri. Erstere ist der einzige Vertreter ihrer Gattung, die zu der kleinen Familie der Fouquieriaceae gehört. Die kuriose Gestalt, die von Purpus 1898 als ’die schönste Pflanze, die ich je gesehen habe' bezeichnet wurde, wird in ihrer Heimat ’Cirio' (d.i. Kirchenkerze) oder ’Bojoom' genannt. Es handelt sich um eine Stammsukkulente, deren leichtes Holz auf der baumarmen ’Baja' ein wichtiger Rohstoff ist. Ficus palmeri gehört zu den semisukkulenten Feigenarten – die Stammbasis der oftmals in Felsspalten an senkrechten Felswänden (z.B. in Cañons) wachsenden Bäumchen (in der Regel bis etwa 6m hoch) ist stark verdickt. Beide sind (Fast-)Endemiten von Baja California; ihre Vorkommen in der gegenüberliegenden Sonora-(Halb-)Wüste sind nur klein. Wahrscheinlich handelt es sich bei beiden um die weltweit ältesten in Kultur befindlichen Exemplare. Dies gilt auch für einen anderen ’Mexikaner': Calibanus hookeri (Dracaenaceae), gesammelt 1905 bei Ixmiquilpan. Die von Carl Albert Purpus als ’Felsenpflanze, die wie ein mit Gras bedeckter Felsen aussieht' charakterisierte Sukkulente besitzt einen kugeligen, kaum 60cm hohen, mit massiven Korkbuckeln bedeckten Stamm, der drahtige, gasartige Blätter trägt.

Yucca rostrata blüht regelmäßig im Botanischen Garten
Yucca rostrata blüht regelmäßig im Botanischen Garten

Ebenfalls aus Mexiko stammt eine stattliche Yucca rostrata, die wahrscheinlich um die vorletzte Jahrhundertwende im Gebiet der Staaten Chihuahua und Coahuila gesammelt wurde. Das jetzt fast hundertjährige, mehrere Meter hohe Exemplar blüht regelmäßig im späten Frühjahr.
Ein besonderer Stolz beider Brüder und auch des Botanischen Gartens heute ist eine von Carl Albert folgendermaßen vorgestellte Art: Sie ist eine ’nichts weniger wie schöne Pflanze, deren Triebe einem abgestorbenen Holzprügel ähnlich sehen, deren Blüten aber ein wahres Wunderwerk der Natur sind': es handelt sich ’um den König der epiphytischen Kakteen', um Hylocereus purpusii, den Carl Albert 1904 gesammelt hat – wahrscheinlich am Vulkan Colima im Staat Jalisco. Mit seinen bis 30cm langen Blüten ist er der eindrucksvollste Blüher unter den Hylocereen.

Dioon caputoi – ein auf- und anregender Fund in den Darmstädter Sammlungen