baumtomate

Cyphomandra betacea (CAV.) MIERS – die Baumtomate

Baumtomate

In Feinkostgeschäften findet man gelegentlich die als ‘Baumtomaten’ oder ‘Tamarillos’ bezeichneten Früchte dieses 3 – 5 m hoch werdenden, großblättrigen Bäumchens, das im nördlichen Südamerika von Peru bis Brasilien beheimatet ist. Diese vielsamigen Beerenfrüchte besitzen Form und Größe eines Hühnereis, sind bei der Reife scharlach- oder orangerot gefärbt und weisen ein gelbes Fruchtfleisch auf. Sie schmecken nicht nach Tomaten, sondern angenehm süß-säuerlich. Die ‘Tamarillos’ werden roh oder gekocht gegessen; besonders beliebt sind sie in ihren traditionellen und neuen Anbauländern zur Herstellung von Konfitüren.

Bei der Baumtomate handelt es sich um eine nicht allzu alte Kulturpflanze der südamerikanischen Indios, deren Domestikation in die Zeit der „Entdeckung“ Amerikas durch Columbus fällt. Wildformen hat man im bolivianisch-argentinischen Grenzgebiet gefunden.

Die Gattung gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae; hierzu u.a. auch Kartoffel,Tomate, Paprika und Aubergine) und ist sehr nahe mit der umfangreichen Gattung Solanum – Nachtschatten (weltweit mit insgesamt mehr als 1500 Arten!) verwandt, von der sie nur unscharf getrennt ist.

Verschiedene Wildarten werden von ‘parfüm’sammelnden Prachtbienen-

(Euglossinen-) männchen besucht, die beim Auftupfen des von ihnen bei der Markierung ihrer Balzplätze und Schwarmbahnen eingesetzen und von der Blüte produzierten Duftstoffs den Pollen mittels eines ‘Blasebalgmechanismus’ aus den Staubbeuteln herauspressen und sich mit diesem einstäuben.

Aufgrund der bereits ab dem zweiten Jahr zu erzielenden hohen Erträge an wohlschmeckenden, vitaminreichen (Vit. A, B6, C und E) Früchten und der Robustheit der Pflanzen, die von den sonst bei den Nachtschattengewächsen häufig auftretenden Viruserkrankungen verschont bleiben, hat sich in den vergangenen Jahren der Anbau der Baumtomate weit über die ursprünglichen Grenzen ausgeweitet. In der Neotropis erstreckt sich das Anbaugebiet von Mexiko bis Brasilien, Chile und Nordargentinien. Aber auch in Europa, in Ceylon, Indonesien, Australien und vor allem Neuseeland wird die Baumtomate erfolgreich angebaut. Die züchterische Bearbeitung (auch durch Einkreuzen weiterer Wildarten) findet derzeit hauptsächlich in dem letztgenannten Land statt.

Standort im Garten: Im Mittelbeet des Nutzpflanzenhauses; Foto: STSCHN 2011

Priv.-Doz. Dr. Stefan Schneckenburger (1996; rev. 2012)

© Text: Botanischer Garten TU Darmstadt (BG aktuell 74)