Urweltmammutbaum

Urweltmammutbaum – ein lebendes Fossil aus China

Metasequoia

Metasequoia glyptostroboides HU & CHENG

Einer der bemerkenswertesten Bäume des Darmstädter Botanischen Gartens ist schon von weitem als derzeit größter Baum der Nadelholzabteilung („Coniferetum“) zu erkennen. Es handelt sich um Metasequoia glyptostroboides HU & CHENG, auch als „Urweltmammutbaum“ bekannt. Die Gattung wurde 1941 anhand fossiler Reste aus Tonablagerungen Japans beschrieben. Deutlich waren verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem Küstenmammutbaum (Gattung Sequoia) und der Sumpfzypresse (Gattung Taxodium). Eindeutig war deshalb die Zuordnung zu den Taxodiaceen, den Sumpfzypressengewächsen (etwa 16 Arten in 9 Gattungen). Heute kennt man eine ganze Reihe weiterer fossiler Vorkommen dieser Sippe auf der nördlichen Halbkugel zwischen Spitzbergen und S-Japan. Sie stammen aus der Oberen Kreide und der Tertiärzeit; die ältesten sind etwa 100 Mio. Jahre alt und belegen das Vorkommen dieser Art in den Braunkohlewäldern.

Nur drei Jahre später entdeckte man in China ein kleines Vorkommen einer noch unbekannten Coniferenart, die erst 1946 als mit dem fossilen Material übereinstimmend erkannt wurde. 1947/48 wurden dann die ersten Samen an Botanische Gärten in China, Europa und Amerika abgegeben. Der genannte Baum stammt aus einer Aussaat dieser Samen. Mit Darmstadt erhielten übrigens die Botanischen Gärten von Halle, Hamburg, Hannoversch-Münden, Kiel, München Münster, Stuttgart (Hohenheim und Wilhelma) und Weinheim (Exotenwald und Hermannshof) Saatgut. Man erkannte rasch, daß sich der in China als „Wasserlärche“ bezeichnete Baum, dessen Zuwachs mit jährlich 60-100 cm einen „Rekord“ für Nadelhölzer darstellt, sehr leicht aus Stecklingen vermehren läßt, was zu seiner weiten Verbreitung durch Baumschulen geführt hat.

Standort im Garten: Coniferetum (M.g.); Kleiner Weiher: Taxodium distichum & Sequoia sempervirens.

Text: Dr. Stefan Schneckenburger, Foto: D. Kramer. © Botanischer Garten TU Darmstadt