Wandelroeschen

Botanischer Garten

Ein bildhübscher Eindringling – das Wandelröschen

Wandelroeschen

Das Wandelröschen (Lantana camara) stammt ursprünglich aus dem tropischen Amerika und ist heute als Zierpflanze in allen wärmeren Gebieten verbreitet und an vielen Stellen der Erde auch verwildert. Bei uns wird es als nicht winterharte Kübelpflanze kultiviert; entsprechend vermehrte Pflanzen bieten sich auch als farbenfroher Sommerschmuck an. Systematisch gehört die insgesamt etwa 150 Arten umfassenden Gattung zu den Eisenkrautgewächsen (Verbenaceae).

Ihre Beliebtheit verdanken die kultivierten Arten der Gattung dem namengebenden Farbumschlag der zu kopfigen Infloreszenzen zusammentretenden Blüten: In der ersten Phase sind die Blüten gelb; später verfärben sie sich über orange zu einem verwaschenen Purpur. Man weiß nun schon seit langem, dass allein die jungen, gelben Blüten Nektar enthalten, der von den besuchenden Tieren (vornehmlich Schmetterlingen) aufgenommen wird. Produziert wird er von einem unregelmäßig von unten her den Fruchtknoten lappenartig umgebenden Ringnektarium an dessen Basis. Die älteren Blüten hingegen sind nektarfrei. Schon FRITZ MÜLLER (1821-1897), einer der Pioniere der Blütenökologie, hat in Brasilien beobachtet, dass die Schmetterlinge nur die gelben, nektarführenden Blüten besuchen. Die randlichen, roten Blüten hingegen haben offensichtlich die Aufgabe, die Auffälligkeit des Blütenstandes zu erhöhen.

Außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes kann man ein deutlich erweitertes Bestäuberspektrum beobachten: auf Kreta zum Beispiel spielen Schmetterlinge nur noch eine untergeordnete Rolle – bei den meisten Besuchern handelt es sich um Hummeln und verschiedene andere Bienen. Aber nicht nur über Schönheit und eine ausgepichte Bestäubungsstrategie ist zu berichten: Wandelröschen gelten in zahlreichen tropischen Ländern und besonders auf Inseln als eine der am meisten gehassten Invasionspflanzen, die die heimische Vegetation stark bedrängen. Schon 1905 konnte man über das „1858 auf den Sandwich-Inseln (=Hawaii) eingewanderte und die heimische Vegetation stark zurückdrängende“ Wandelröschen lesen. Die reichlich Samen produzierenden und in kurzer Zeit zu nahezu undurchdringlichen Dickichten heranwachsenden Sträucher sind nur schwer zu bekämpfen. In Australien zum Beispiel gilt es heute als eines der schlimmsten Unkräuter überhaupt.

Standort im Garten: Kübelpflanzenrevier an der N-Ecke der Gewächshausgruppe.

Dr. Stefan Schneckenburger, August 2006 © Text: Botanischer Garten TU Darmstadt (BGaktuell250)