Wolfsmilch Mexiko

Ein bemerkenswertes Wolfsmilchgewächs aus Mexiko

Dalechampia

Dalechampia spathulata

Als Pseudanthien bezeichnet man Blütenstände, die optisch und auch funktionell wie Einzelblüten wirken. Als bekannteste Beispiele solcher Strukturen sind die Köpfchen der Korbblütler (Compositae; z.B. Sonnenblume oder Löwenzahn) zu nennen. Aber auch bei den Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae; etwa 8000Arten in 400 Gattungen) finden sich zahlreiche Beispiele für solche Pseudanthien (z.B. bei der Gattung Wolfsmilch – Euphorbia; so z. B. beim Weihnachtsstern – Euphorbia pulcherrima). Ein besonders eindrucksvolles Bild bietet die aus Mexiko stammende Dalechampia spathulata (SCHEIDW.) BAILL. var. spathulata (syn. D. roezlii MUELL. ARG.), ein strauchiger Vertreter einer etwa 60 Arten umfassenden, in den Tropen verbreiteten Gattung. Mit ihrem Namen erinnert sie an den französischen Arzt und Botaniker JACQUES DALECHAMP (1513 – 1588). Die Blütenstände täuschen in fast perfekter Form Einzelblüten vor. An ihrer Basis finden sich zwei auffällige, rosafarbene Hochblätter. Daran schließen sich in der Achsel eines weiteren Blattorgans ein Blütenstand aus drei weiblichen langgriffeligen Blüten an. Durch eine kurze Achsenverlängerung abgesetzt, finden sich in den Achseln kleiner Hochblätter 6-14 fruchtbare männliche Blüten mit jeweils einem Büschel von blaßgelben Staubblättern. Weitere männliche Blüten sind steril und zu einem leuchtend gelben Polster umgewandelt, das potentiellen Bestäubern wohl eine große Pollenmenge vorgaukelt. Allerdings wurde bei einigen Arten auch die Sekretion einer klebrigen Flüssigkeit im Bereich dieser metamorphosierten (umgewandelten) männlichen Teilblütenstände beobachtet, so daß zusätzlich neben dem Täuschungseffekt wohl auch eine echte Belohnung bereitgehalten wird.

Standort im Garten: Warmhausbereich: u.a. Wasserpflanzenhaus.

Text und Foto: Dr. Stefan Schneckenburger. © Botanischer Garten TU Darmstadt