Anemophilie

Botanischer Garten

'Blown in the wind' – Windblütigkeit (Anemophilie)

Acer_negundo
Eschen-Ahorn (Acer negundo)

Als nicht-lebender Pollenüberträger spielt der Wind eine sehr wichtige Rolle. Besondere Kennzeichen windblütiger (anemophiler; grch. anemos – Wind, philos – Freund) Pflanzen sind große Mengen an trockenem, leichtem Pollen, der meist von herabhängenden Staubbeuteln oder in kätzchenförmigen Blütenständen gebildet wird. Auf der anderen Seite finden wir große oder fedrige Narben vor, die den Blütenstaub aus der Luft 'herauskämmen' können. Auffallende Blütenhüllen und Nektar fehlen in der Regel. Ein Gutteil unserer Waldbäume ist windblütig und blühen vor der Laubentfaltung; dazu die offene Landschaften wie Savannen oder Steppen dominierenden Gräser.

In den Tropen, besonders im tropische. Regenwald ist Anemophilie selten anzutreffen; im Unterwuchs der Regenwälder sind einige Gräser sogar zur Tierblütigkeit 'zurückgekehrt'. In den temperierten Wäldern blühen die Bäume meist sehr früh – überlassen also ihren Blütenstaub zu einer Zeit dem Wind, wo die Blätter noch nicht den Transport behindern.

Anemophilie

1965 untersuchte Prof. Große-Brauckmann vom hiesigen Institut für Botanik den Pollengehalt der Luft auf dem Bio-Campus. Man erkennt die zeitliche Staffelung des Blühverhaltens der windblütigen Pflanzen (Abb. aus Stix & Große-Brauckmann 1970). Merkwürdig ist das Auftreten von Weiden- und Lindenpollen. Beide Gattungen sind primär tierblütig (mit nektarhaltigen, z. T. duftenden und auffälligen) Blüten, bedienen sich aber dennoch in geringem, aber deutlich messbaren Umfang des Windes als Pollenüberträger (sog. Ambophilie).

Text: PD Dr. S. Schneckenburger