Projektwoche 2019

Act!SoBio Handeln gegen den Klimawandel

Act!SoBio Handeln gegen den Klimawandel

KI²VA Studienprojekte – Interdisziplinäre Projektwoche des Fachbereichs Biologie und des Instituts für Soziologie im WS 2019/20

Redaktion Dr. Mascha Bischoff, FB Biologie

Interviews Claudia Baier, Christopher Theiss FB Biologie

Fotos Claudia Baier, FB Biologie

Passend zum internationalen Klimaaktionstag am 29. November 2019 haben sich Studierende der Biologie und Soziologie im Rahmen des KI²VA Studienprojekte mit dem Thema “Handeln gegen den Klimawandel – Konzepte für nachhaltige Lösungen zum Schutz von Klima und Biodiversität” auseinandergesetzt. Während der Projektwoche vom 02. bis 06. Dezember 2019 erarbeiteten interdisziplinär besetzte Teams aus Biolog_innen und Soziolog_innen Ansätze, mit denen nachhaltige Verhaltensänderungen für mehr Klimaschutz angeregt werden können, ohne dass die lokale und globale Biodiversität darunter leidet. Dabei wurden sie von Expert_innen des ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und vom Umweltdezernat der Wissenschaftsstadt Darmstadt begleitet.

Das Thema des KI²VA Studienprojekts 2019 ist hochaktuell mit dringendem Lösungsbedarf. Die jährlichen Pro-Kopf-CO2-Emissionen Deutschlands sind mit rund 9,6 Tonnen noch ungefähr doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt von 4,8 Tonnen. Anlass zu Sorge geben auch Berichte und Studien zur lokalen und globalen Biodiversität: sie zeigen, dass innerhalb der letzten Jahre ein massiver Artenschwund stattgefunden hat. So sind bis zu 67 % aller bekannten Insektenarten deutschlandweit zurückgegangen. Um dem Klimawandel und indirekt auch dem Artensterben entgegenzuwirken, muss der CO2-Footprint auf 2 t CO2-Emissionen pro Person und Jahr reduziert werden. Dieser Wert wurde in Deutschland jedoch bereits im Mai 2019 überschritten. Die Aufgabe der Studierenden des diesjährigen KI²VA Studienprojekts bestand nicht nur darin, Konzepte zur deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen unter Erhalt der Biodiversität zu entwickeln, sondern auch darin, die Konzepte so zu gestalten, dass sie Umsetzung in die Handlungspraxis der Darmstädter Bürger_innen finden. Nur in enger Zusammenarbeit der beiden Fachdisziplinen konnte dies gelingen.

Die insgesamt 117 Studierenden der Biologie und Soziologie (86 Biolog_innen und 29 Soziolog_innen plus zwei Gäste aus der Bautechnik) erarbeiteten in 12 interdisziplinär besetzten Gruppen jeweils ein Szenario, wobei sie sich zunächst für einen der drei Schlüsselsektoren Energiemanagement, Mobilität oder Abfall- und Ressourcenmanagement entscheiden mussten. Die so entstandenen Lösungskonzepte wurden am 11.12.2019 zunächst einer kleinen Jury aus je drei Experten in einer Vorrunde vorgestellt. Die drei Gruppensieger traten schließlich mit einem Vortrag vor dem Plenum und der großen Jury gegeneinander an. Die diesjährige Jury bestand aus jeweils einem Experten oder einer Expertin für Biodiversität und Soziologie. Zusätzlich durften wir drei externe Gäste aus dem angewandten Umweltschutz begrüßen: Eva Rechsteiner und Fabian Bergk vom ifeu Institut sowie Dr. Patrick Voos, Referent für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz der Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Der dritte Platz ging an die Gruppe 2 für ihr Mobilitätskonzept. Ihr Lösungsansatz zielte auf die Reduktion des Innenstadtverkehrs und die Erweiterung des ÖPNVs ab. Durch die Etablierung von Parkhäusern am Stadtrand sollten Pendler_innen als Zielgruppe die Möglichkeit haben, den öffentlichen Nahverkehr zu Stoßzeiten des Verkehrs morgens und abends zu nutzen. Eine Begrünung der innerstädtischen Parkhäuser sollte außerdem zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen. Auf den zweiten Platz kam die Gruppe 6 für ihr Konzept für die Vermeidung von unnötigem Papierabfall, da Deutschland europaweit den höchsten Papierverbrauch aufweist. Die Zielgruppe waren hier Studierende und Mitarbeitende der TU Darmstadt. Den ersten Platz erreichte schließlich Gruppe 11 mit ihrem optimistischen Konzept zur Etablierung einer Nachhaltigkeits-Kommune, die als eine Kombination aus Stadtbegrünung, nachhaltiger solidarischer Landwirtschaft und Abfallvermeidung vorgestellt wurde. Trotz der ambitionierten Ziele für alle Darmstädter Bürger_innen waren hier die unterschiedlichen Aspekte des Lösungsansatzes für Klima und Biodiversität am besten integriert. Insgesamt zeichnete sich die diesjährige KI²VA Projektwoche durch ihren ausgesprochen Teamgeist und die hohe Motivation aller Studierenden aus.

Lesen Sie weiter, wie einzelne Studierende die Arbeit während des Studienprojekts erlebt haben und erfahren Sie die Einschätzung des Referenten für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz der Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Auf dem Treppchen:

1. Platz: Gruppe 11

2. Platz: Gruppe 6

3. Platz: Gruppe 2

Eindrücke von Dr. Patrick Voos Referent für Umwelt-, Natur-und Klimaschutz der Wissenschaftsstadt Darmstadt

© Patrick Voos

Wie haben die Lösungsansätze der Studierenden, die Sie bei der heutigen Abschlussveranstaltung gesehen haben, angesprochen?

Viele Überlegungen der Studierenden fand ich sehr interessant. Es ist toll, dass sich BiologInnen und SoziologInnen, die sich im Rahmen des Studiums vermutlich noch nicht tiefergehend mit dem Thema Klimaschutz auseinandergesetzt haben, gemeinsam und interdisziplinär engagieren. Es gibt auf jeden Fall viele Dinge, die ich gehört habe, die ich sehr interessant fand. Keiner der Ansätze war für mich völlig neu, aber ich fand die Herangehensweise der Studierenden sehr differenziert und gewissenhaft. Sie haben sehr großes Engagement gezeigt.

Warum ist es wichtig, den Klimawandel in Lehrveranstaltungen der der Universität zu thematisieren?

Ich finde das Thema sehr gut gewählt. Glücklicherweise ist das Thema Klimawandel im Bereich der Studierenden und Jugendlichen sehr virulent. Aber es macht immer noch einen riesigen Unterschied, ob man sich persönlich damit beschäftigt, oder nicht. Ich gehe davon aus, dass jeder davon etwas für seine weitere Zukunft mitgenommen hat, deswegen finde ich das super. In jedem Bereich des öffentlichen Lebens ist Bildung sehr wichtig, um zu verstehen, was die eigenen Entscheidungen für Auswirkungen haben. Dass man das übergeordnete Ziel auf das eigene Handeln runterbrechen kann, ist sehr wichtig. Deswegen fände ich es schön, wenn es auch weiterhin in diese Richtung ginge.

Werden Sie Lösungen oder Ideen mit in Ihre berufliche Tätigkeit nehmen?

Ich nehme auf jeden Fall mit, dass es bei diesem Thema weiterhin großes Interesse und Engagement gibt. In unserer weiteren Arbeit im Klimaschutz wollen wir die TU Darmstadt und weitere Gruppen wie „Fridays for Future“ und „Scientists for Future“ einbinden. So wollen wir auch das hier vorhandene know-how nutzen.

Eindrücke der Studierenden

Zu Beginn der Projektwoche

In wie weit hast du dich vor der KI²VA Projektwoche 2019 mit dem Thema Klimawandel und CO2 beschäftigt?

Stella Muthorst:

Ich habe mich schon vorher damit beschäftigt. Ich bekomme viel mit über die Medien und soziale Netzwerke, aber auch im privaten Umfeld. Ich habe auch schon versucht, in bestimmten Gebieten darauf zu achten meinen Konsum nachhaltiger zu gestalten, zum Beispiel über die Ernährung oder das Reiseverhalten.

Yannik Klaus:

Hauptsächlich durch den Impuls Fridays for Future. Da bin ich ab und zu mal mitgelaufen und seitdem habe ich mich auch bewusster damit auseinandergesetzt. Das Thema ist ja mittlerweile mitten in der Gesellschaft angekommen.

Spricht dich das Thema der Aufgabenstellung an? Und warum ist es wichtig, sich gerade jetzt damit zu beschäftigen?

Katharina Borchers:

Ja. Eigentlich ist es jetzt schon zu spät. Ich finde, wenn wir die Generationen schützen wollen, die jetzt gerade jung sind, dann müssen wir jetzt was tun. Wenn wir jetzt noch warten, haben die Generationen auch Pech gehabt und die Generationen danach sowieso. Also, wenn wir jetzt nichts machen, haben alle verloren.

Charlotte Randal:

Definitiv. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es so regionalbezogen ist. Und mir gefällt, dass es mehr persönlichen Bezug für uns Studierende hat. Einfach, weil es später zu spät sein wird.

Glaubst Du, dass es möglich ist, im Rahmen der KI²VA Projektwoche Lösungen zu finden, die auch wirklich etwas bringen?

Yannik Klaus:

Das Problem ist, dass man nicht an einer Sache ansetzen kann, die dann alles verändert. Alles hängt miteinander zusammen. Mir ist hauptsächlich aufgefallen, dass es um das Umdenken der Menschen geht, um ein bewusstes umweltschonendes Handeln zu erreichen. Wir sind die Zukunft und deswegen ist es gut, dass wir uns damit befassen. Ob jetzt hier ein Konzept herausgearbeitet werden kann, dass jetzt wirklich weltverändernd ist, wird glaube ich sehr schwer.

Katharina Kramer:

Ich glaube nicht, dass tatsächlich umsetzbare Lösungen gefunden werden, aber ich finde es auf jeden Fall gut, dass sich Studierende damit auseinander setzen und auch wirklich die Zeit dazu bekommen, mal Projekte und Ideen bis zum Ende zu durchdenken. Ich denke auch, dass das schon viel bringt.

Was ist denn die größte Herausforderung für euch als Gruppe in dieser Woche?

Katharina Borchers:

Das Thema ist sehr komplex. Es ist wichtig, dass man da nicht den roten Faden verliert und trotzdem ein gutes Bild von dem, was man erarbeitet hat, bekommt. Ich wünsche mir, dass wir am Ende auch Lösungen bezogen auf den Klimawandel finden können. Nicht nur, dass das von der Uni irgendein Projekt war, das wir machen mussten, sondern dass wir alle ein bisschen mehr Bezug dazu bekommen, dass wir was dazu beitragen müssen.

Stella Muthorst:

Also, heute zum Beispiel war es sehr schwierig, sich überhaupt erst mal auf ein Themengebiet festzulegen und dann auch eine Fragestellung zu finden, die man verfolgt. Und auch die Organisation in der Gruppenarbeit ist eine Herausforderung. Ich bin aber zufrieden.

Nach der Projektwoche

Gibt es etwas in der Recherche innerhalb dieser Projektwoche, was dich besonders überrascht hat?

Elina Kim:

Was mich aber überrascht hat, war dass es tatsächlich möglich ist, CO2 zu reduzieren. Auch dass es seit 1990 eine messbare Senkung der CO2-Emissionen gibt.

Stella Muthorst:

Wir haben bei der EAD angerufen haben, um zu fragen, wie viel Bioabfall pro Jahr erzeugt wird. Weil wir etwas auf die Antwort warten mussten, haben wir in der Gruppe versucht eine Abschätzung der Menge vorzunehmen. Als wir dann eine Antwort bekommen haben, hat der Wert fast genau dem entsprochen, was wir abgeschätzt hatten. Das war ein ganz cooles Erfolgserlebnis.

Wirst du in Zukunft durch deine Erfahrungen in dieser Woche dein Verhalten ändern?

Elina Kim:

Ja. Ich denke ich werde auf jeden Fall noch stärker darauf achten, wie ich den Müll trenne. Auch darauf, dass ich generell weniger Müll produziere. In der Familie kann ich noch nicht so viel erreichen, aber persönlich werde ich weniger Papier verschwenden und nicht mehr aus Plastikflaschen trinken, das wäre schon mal ein Anfang.

Katharina Cramer:

Da ich mir das schon sehr häufig und sehr lange vornehme, könnte ich das jetzt auch umsetzen. Am ehesten würde ich das Auto häufiger zuhause lassen und mein ÖPNV-Ticket auch mehr auszunutzen.

Was hat dir denn bezogen auf die KI²VA Projektwoche an der Arbeitsweise im Team besonders gut oder nicht so gut gefallen?

Charlotte Randall:

Die Teamarbeit war sehr gut bei uns. Ich war schon letztes Jahr mit dabei und da war das nicht so der Fall. Auch, dass wir es sehr gut geschafft haben, keine zwei Lager zwischen Soziologen und Biologen zu bilden, sondern wirklich auch als Team interdisziplinär gearbeitet haben. Mal den anderen Standpunkt zu sehen, das hat mir gut gefallen.

Katharina Borchers:

Mir hat richtig gut gefallen, dass wir zwei verschiedene Fachschaften zusammengebracht haben, die dann in einem Team zusammenarbeiten mussten. Ich finde, die Teamarbeit hat mehr als gut geklappt, das hätte ich nicht gedacht. Es wurde super viel diskutiert und man bekommt ganz viele neue Blickwinkel und innovative Ideen. Ich kann nur Positives mitnehmen.

Findest du das Thema Klimawandel wichtig? Hat sich deine Meinung durch diese Woche geändert?

Charlotte Randall:

Ich finde das Thema Klimawandel weiterhin sehr wichtig, aber mittlerweile ist mir auch klar, weshalb die Kommunen zum Beispiel nicht so viel machen können, um der Gesellschaft entgegenzukommen, weil es doch mit sehr starken, intensiven und kostspieligen Veränderungen zu tun hat.

Katharina Cramer:

Ich finde das Thema Klimawandel mehr als wichtig. Nur ich denke, ich gehöre zu dem klassischen Fall von Menschen, die sich dessen bewusst sind, es aber an der Umsetzung etwas hapert. Deswegen werde ich mir Mühe geben, das zu ändern und versuchen aktiver zu werden.